200Km – Ein gelungenes Saisonende

Die magischen 200 – eine Distanz, die jeder «richtige» Radfahrer irgendwann in seinem Leben einmal zurücklegen will. Schon lange träumte ich davon, einmal eine solche Tour zu absolvieren. 100 Kilometer waren schnell geschafft, da brauchte es nicht einmal ein Carbon-Rennrad. Aber 200? Lange Zeit dachte ich, das wäre unerreichbar.

In letzter Zeit änderte sich das aber: Ich fuhr zunehmend längere Distanzen, meines immer höher werdenden Trainingsumfangs geschuldet, und merkte mit den guten Resultaten diese Saison, dass es mit meiner Fitness wohl nicht so schlecht stand. Nur: Einen zweihunderter einfach so in einen Trainingsplan mit konkreter Wettkampfvorbereitung – geschweige denn in eine Schulwoche – einzubauen, ist schlicht und einfach nicht gut machbar, ohne Kompromisse einzugehen oder «krankheitshalber» einen Schultag auslassen zu müssen.

Der einzige, gar perfekte Zeitpunkt für solche Vorhaben ist bei ambitionierten Rennfahrer eigentlich nur der Zeitraum zwischen dem letzten Rennen und der Saisonpause, je nach Planung ungefähr drei bis vier Wochen, in denen man meist tun und lassen kann, wie einem lieb ist. «Training nach Lust und Laune», wie es Michael Klauser so passend auf Trainingpeaks bezeichnet. Danach kommt oben erwähnte Saisonpause, etwa eine bis zwei Wochen, in denen man das Rad auf die Seite stellt und «Sportverbot» hat – die schwierigsten Wochen des Jahres, zumindest in meinen Augen.

Aber davor ist ja noch Zeit, um alles zu machen, was man die Saison durch einmal machen wollte, irgendetwas unvernünftiges. Zu meinem Glück durfte ich von der Schule aus schon an einer Projektwoche teilnehmen – Thema Radfahren – und schon eine Woche lang sozusagen auf Schulkosten trainieren. Unter anderem alle drei Auffahrten des Mont Ventoux in einer Tour mit 140Km und 4400Hm oder eine Flachetappe mit 155Km bei Regen waren die Folgen, wenn man zu viel Wahlfreiheit zulässt. Dennoch: Während der Woche stellte sich heraus, dass die 200 noch vor dieser Saisonpause fallen musste.

Kaum zu Hause angekommen, sass ich schon wieder auf meinem Rennrad. Zusammen mit Yannik und Daniel starteten wir zusammen um 8 Uhr in der Früh und stellten uns der Challenge. Von Wetzikon ging es über Winterthur zum Stein am Rhein, dort den Bodensee bis nach Konstanz entlang, danach mit ein paar Umwegen über die Hulftegg bis nach Eschenbach und von dort aus wieder an den Anfangspunkt. Das Wetter war zwar kalt, aber schön; die Laune top und die Beine rasiert. Nach ein bisschen unter 7 Stunden im Sattel fielen schliesslich die 200 Kilometer, ein 29er Stundenmittel auf 2000 Höhenmeter. Das Fazit: Definitiv nachmachen, aber dabei genügend zuführen – bei rund 5’000 verbrannten Kalorien nicht ausser Acht zu lassen.

Mit diesem Meilenstein geht für mich eine sehr gelungene Saison 2026 zu Ende. Ich bedanke mich bei allen Personen, die mich in irgendeiner Art unterstützt haben und mich auf meinem Weg weiter vorangetrieben haben. Was ich euch, vor allem den jüngeren, gerne mitgeben möchte: Die Resultate sind das eine; in meinen Augen viel wichtiger ist jedoch, dass der Spass beibehalten wird und man sich auf die persönliche Entwicklung fokussiert. Mit einer Kombination aus Spass und Lockerheit, aber auch Disziplin und Konzentration kommt man lange sehr weit!

-Livio Steiner

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